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Blockchains und Immobilien: Sieht so unsere Zukunft aus?

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Was genau ist Blockchain-Technologie?

Zunächst sollten wir definieren, was Blockchain genau bedeutet und in welchem Verhältnis sie zu der Kryptowährung Bitcoin steht. Im Wesentlichen ist ein sogenannter Block ein Buch, das die Einzelheiten einer Transaktion aufzeichnet. Jeder Block enthält einen Zeitstempel und eine Verbindung zum vorherigen Block, so dass sie eine Kette (englisch: chain) bilden. Bei einer Blockchain handelt es sich demnach um ein digitales Buch. Allerdings wird dieses Buch nicht von einer bestimmten Person oder Gruppe verwaltet. Stattdessen erhält jeder im Netzwerk eine Kopie der gesamten Datenbank. Das heißt, sie wird auf zahlreichen Computersystemen gleichzeitig gespeichert, ähnlich wie in einem Peer-to-Peer-Netzwerk zur gemeinsamen Nutzung von Dateien. Die Blöcke werden verschlüsselt, um sicherzustellen, dass der Datensatz für jeden zugänglich ist, aber von niemandem geändert werden kann. Nur ein Benutzer, der einen speziellen kryptographischen Schlüssel besitzt, kann einen neuen Datensatz hinzufügen. Das bedeutet, dass alte Blöcke für immer erhalten bleiben und neue Blöcke der Kette irreversibel hinzugefügt werden, so dass es unmöglich ist, Blockketteneinträge zu ändern, zu fälschen oder zu manipulieren.

Wie funktionieren Kryptowährungen?

Diese Charakteristiken sind es, die der Blockchain ihre einzigartigen Eigenschaften der Dezentralisierung, Transparenz und Unveränderlichkeit verleihen und die Kryptowährungen zu ihrem Vorteil nutzen. Kryptowährungen sind im Wesentlichen nur Einträge in einer Datenbank, die nur unter bestimmten Bedingungen geändert werden können. Das Einzige, was einer ihnen ihren finanziellen Wert verleiht, ist der kollektive Glaube an diesen Wert. Das mag fadenscheinig klingen, die internationalen Finanzmärkte funktionieren jedoch nach ähnlichen Prinzipien. So weit, so gut. Wenden wir uns nun einigen potentiellen Einsatzmöglichkeiten von Blockchains in der Immobilienbranche zu.

Nur eine sehr begrenzte Anzahl von Einrichtungen akzeptiert die Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel.

Immobilien mit Kryptowährungen kaufen

Die vielleicht einfachste, gebräuchlichste und am leichtesten zu verstehende Verwendung von Blockchains ist die Verwendung einer etablierten Kryptowährung, wie beispielsweise Bitcoin, um eine Immobilie zu kaufen. Wenn Sie über eine beträchtliche Menge an Kryptowährung verfügen, die Sie in eine solide Investition übertragen möchten (vielleicht um die Unbeständigkeit des Marktes für Kryptowährung zu vermeiden), sind Immobilien daher eine gute Option. Kryptowährungen werden zunehmend als eigenständige Zahlungsarten akzeptiert (Sie können sogar Bitcoin verwenden, um bei Pizza Hut einzukaufen). Dazu gehören natürlich auch Immobilien. Tatsächlich unterzeichnete die Immobilien-Investmentgesellschaft BrickMark im Januar 2020 einen Kaufvertrag für die bisher größte Immobilientransaktion, die in Kryptowährungen bezahlt wurde, mit einem Gesamtvolumen von über 135 Millionen Dollar.

Haus gegen Bitcoins: Ein komplexes Thema

Da die Technologie (ganz zu schweigen vom Konzept) von der Öffentlichkeit noch immer nicht klar verstanden oder akzeptiert wird, besteht weiterhin ein Mangel an Vertrauen in diese. Das bedeutet, dass es nur eine sehr begrenzte Anzahl von Einrichtungen gibt, die bereit sind, Kryptowährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Dies gilt umso mehr für ein so großes Objekt wie ein Haus oder eine Wohnung. Und natürlich brauchen Sie nicht nur einen Verkäufer, der bereit ist, mit Kryptowährung zu handeln. Sie müssen auch einen Makler, einen Notar und vielleicht einen Treuhänder finden, der bereit ist, eine virtuelle Transaktion zu unterstützen. Ein weiterer Punkt, den es zu berücksichtigen gilt, ist die steuerliche Situation. Trotz einiger falscher Annahmen und Vorschläge, die im Umlauf sind, sind Immobilientransaktionen, bei denen Kryptowährungen verwendet werden, selbstverständlich steuerpflichtig. Und wegen der im Wesentlichen unveränderlichen Beschaffenheit der Blockchain-Technologie gibt es keine Möglichkeit, den Wert der Transaktion vor den Steuerbehörden zu verbergen.

Immobilientokenisierung verständlich erklärt

Geht es um Investitionen, sind Immobilien die größte Anlageklasse der Welt. Das Londoner Immobilienunternehmen Savills berechnete 2016 den Wert aller Immobilien weltweit, der sich auf insgesamt 217 Billionen Dollar belief. Dennoch bleiben Immobilien für viele Menschen unerschwinglich. Sie verfügen schlichtweg nicht über das notwendige Geld, um eine Immobilie erwerben zu können. Zudem zählen Immobilien zu den illiquidesten Investitionen, die man tätigen kann. Sie können nicht schnell und einfach ohne einen erheblichen Wertverlust verkauft werden, sollte es an potentiellen Käufern mangeln. Eine der interessantesten potentiellen Anwendungen von Blockchains für die Immobilienbranche ist die Tokenisierung. Einfach ausgedrückt, ist ein Token eine digitale Darstellung eines realen Vermögenswertes oder einer Dienstleistung, ähnlich der Verwendung von Disney-Dollars in Freizeitparks. Es steht für den Wert von etwas anderem. Dies eröffnet ein enormes Anwendungspotential für die Tokenisierung von Immobilien. Eine Immobilie könnte in 500 Wertmarken aufgeteilt werden, die dann an 500 verschiedene Personen verkauft werden könnten, wodurch im Wesentlichen der Kauf der Immobilie durch die Menge finanziert oder die Wertmarken in "Aktien" umgewandelt werden könnten, die von Investoren gekauft werden könnten. Diese Tokenisierung würde nicht nur die Liquidität von Immobilien erhöhen, sondern auch den Handel mit diesen Vermögenswerten ohne einen Dritten ermöglichen. Anstatt eine Immobilie zu kaufen, kaufen Sie in Wirklichkeit nur Wertmarken von einer Börse. Dies senkt die Eintrittsbarriere für Investitionen in Immobilien erheblich und macht sie weitaus erreichbarer. Außerdem rückt diese Art von Bruchteilseigentum die utopischen, demokratischen Ideale einer Blockchain in den Vordergrund. Es steht nicht ein einziges, gesichtsloses Unternehmen hinter dem Besitz, sondern 500 Menschen, die persönlich an seinem Erfolg beteiligt sind.

Blockchain zur Nachverfolgung von Dokumenten

Der vielleicht einflussreichste Aspekt der Blockchain, die Facette, die das größte Potential in der Welt der Immobilien hat, ist jedoch weniger glamourös und weitaus prosaischer: Vertrauen. Vertrauen ist in vielen Branchen von großer Bedeutung. Auch im Immobilienbereich ― sei es in eine Website, in ein Immobilienverzeichnis oder in einen Immobilienmakler. Gut, dass die Blockchain-Technologie ebenfalls auf Vertrauen basiert. Denn die Unveränderlichkeit und Transparenz der Aufzeichnungen innerhalb einer Blockchain bieten elementare Andockmöglichkeiten an die reale Welt. Sie können damit Dokumente und Ereignisse während des Kaufs einer Immobilie nachverfolgen, indem Sie Grundbucheinträge und Besitzurkunden in Papierform durch echte digitale Vermögenswerte ersetzen und diese in einem unveränderlichen Buch nachverfolgen. Jeder Beteiligte kann sie so einsehen. Und jeder kann genau darauf vertrauen, was er sieht. Dies hat insbesondere für Banken, Notare und Grundbuchämter enorme Auswirkungen. Im Jahr 2018 erprobte das schwedische Grundbuchamt Lantmäteriet ein System, bei dem eine Blockchain zur Nachverfolgung von Dokumenten während des Verkaufs einer Immobilie entwickelt wurde. Käufer und Verkäufer, Makler und die beteiligten Banken konnten an dem Verkauf teilnehmen und ihn digital verfolgen. Die Transaktion entsprach vollständig den Gesetzen und Vorschriften der Europäischen Union, einschließlich der GDPR-Datenschutzvorschriften.

Schätzungen zufolge werden jährlich rund 1,6 Billionen Dollar durch Immobilien gewaschen.

Zeitalter der intelligenten Verträge

Mit so genannten Smart Contracts könnte man noch einen Schritt weiter gehen. Smart Contracts sind automatisierte Verträge, bei denen spezifische Anweisungen in den Code geschrieben werden, die ausgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind ― beispielsweise wenn bestimmte Zahlungen eingehen. Diese Verträge werden bereits für bestimmte Arten von Versicherungen verwendet und könnten auch positive Auswirkungen auf Immobilienverträge haben. Die georgische Nationale Agentur für das öffentliche Register geht mit gutem Beispiel voran, hat eine Blockchain-Erweiterung ihres bestehenden Systems aufgebaut und fügt intelligente Verträge in diese Transaktionsinfrastruktur ein. Das mag sich alles nach viel Aufhebens um nicht sehr viel anhören, kann jedoch weitreichende Folgen haben. Ein höheres Maß an Transparenz kann dazu beitragen, Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu bekämpfen. Das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung schätzt, dass in einem einzigen Jahr rund 1,6 Billionen Dollar durch Immobilien gewaschen werden. Wie wir bereits erwähnt haben, gibt es aufgrund der im Wesentlichen unveränderlichen Beschaffenheit der Blockchain-Technologie keine Möglichkeit, den Wert von Immobilientransaktionen vor den Steuerbehörden zu verbergen. Wenn auch nur ein Bruchteil dieses Verbrechens durch die Blockchain-Technologie vereitelt wird, lohnt es sich sicherlich, diese zu verfolgen.

Chancen und Risiken von Blockchain verstehen

Trotz des ganzen Hypes um Blockchain innerhalb der letzten Jahre steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Die Tatsache, dass das Kernkonzept etwas esoterisch und verwirrend ist, hat die breite Einführung stark behindert. Allerdings haben Länder wie Schweden, Großbritannien, die Niederlande, Estland, Dubai, Ghana und Georgien Anwendungen entwickelt, die einen effizienteren und reibungsloseren Ablauf von Immobilientransaktionen ermöglichen. Nach einem Bericht des Handelsblatts haben bereits mehr als 40 Banken eine neue Lizenz für die Krypto-Verwaltung beantragt, die die Speicherung digitaler Vermögenswerte im Namen ihrer Kunden vorschreibt. Zudem besagt ein Bericht von PwC, dass die Blockchain auf lange Sicht dazu beitragen wird, die Markttransparenz deutlich zu erhöhen. Wenn so viele Unternehmen und Behörden es ernst nehmen, dann ist das ein Zeichen, dass wir genau das wahrscheinlich auch tun sollten.

Übersetzung: Ina Schulze

Verfasst von:

Alex McKerrell

Der in London geborene Alex ist seit mittlerweile über einem Jahrzehnt Wahlberliner. Ob Sie sich für das beste indische Restaurant (Bahadur in Wilmersdorf, ohne Frage) oder die Geschichte des Nikolaiviertels interessieren: Alex können Sie immer fragen.

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