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Kultur in der Hauptstadt: Kunst in Berlin

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Mit Graffiti verziertes Kunststudio

Künstleridylle

Aufregend, faszinierend, avantgardistisch: Nicht nur Touristen fühlen sich von Berlin immer wieder magisch angezogen, auch Künstler erklären die Großstadt zu ihrer langjährigen Muse. Nach dem Mauerfall profitierten diese von relativ niedrigen Lebenshaltungskosten und reichlich ungenutztem Raum. In stillgelegten Industriehöfen oder Bunkern entstanden so zahlreich Ateliers und Galerien. Verlassene Kaufhäuser waren bald Tummelplatz ganzer Künstlergemeinschaften. In leeren Wohnhäusern entstanden Cafés, Ausstellungsräume und sogar Nachtclubs. Noch heute stößt man daher vor allem an ungewöhnlichen Orten auf Kunst und ihre Schöpfer.

Graffiti an verlassenem Gebäude nahe des Alexanderplatzes

Gegenkultur vor der Wiedervereinigung

Es waren nicht nur die materiellen Bedingungen, die die Kunst in Berlin zum Blühen brachten. Im geteilten Berlin ließen sich sowohl im Osten als auch im Westen starke Widerstandsbewegungen ausmachen. Im Westen war es die Instabilität des Lebens in einer privilegierten, aber unsicheren Enklave, die vom Rest der Welt abgeschnitten war. Die Befreiung der Westberliner vom Wehrdienst führte dazu, dass viele junge Menschen hierher strömten. Und die außergewöhnliche Atmosphäre in der Stadt erwies sich als fruchtbarer Nährboden für eine Gegenkultur in Form von Punk-Bands und einer radikalen linken Politik. Im Osten hingegen war es eine Reaktion auf die staatlich sanktionierte Unterdrückung und die allgegenwärtige Überwachung durch die Stasi, die eine Gegenbewegung in der Jugend hervorrief. Als die Mauer fiel und sich die beiden Seiten wieder trafen, war ihnen eines gemeinsam: die Neigung zu Radikalismus, Rebellion und Innovation. In Verbindung mit der einzigartigen Situation, in der sich die Stadt befand, waren dies die perfekten Zutaten für eine vielfältige, leidenschaftliche und wirklich einzigartige künstlerische Gemeinschaft.

Hamburger Bahnhof von Fred Romero, CC BY

Viel Raum für Kunst

So vielfältig wie Berlins Künstler sind auch seine Galerien. Zu den klassischen zeitgenössischen Galerien zählen dabei die Berlinische Galerie und der Hamburger Bahnhof. Beide verfügen über umfangreiche Sammlungen moderner Kunst, Fotografie und Architektur. Insbesondere der Hamburger Bahnhof beherbergt eine der größten und bedeutendsten öffentlichen Sammlungen zeitgenössischer internationaler Kunst, während sich die Berlinische Galerie auf moderne und zeitgenössische Kunst aus Berlin konzentriert. Doch auch unkonventionell genutzte Gebäude offenbaren erstaunliche Kunstkollektionen. So umfasst die private Sammlung Boros zeitgenössische Werke internationaler Künstler aus den Jahren 1990 bis heute und befindet sich in einem Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, der früher auch als illegaler Techno-Club genutzt wurde. Und auch der 1.300 Quadratmeter große Capitain Petzel an der Karl-Marx-Allee besticht durch originelle, glasverkleidete Optik und beherbergt ebenso originelle Einzelausstellungen.

Neue Horizonte

Doch selbst diese Fülle an Galerien und Museen wird von den Berliner Behörden noch als unzureichend empfunden. Kürzlich wurde der Grundstein für ein neues Museum für Moderne Kunst gelegt, das 2026 eröffnet werden soll. Vielleicht zieht es mit denen in anderen Hauptstädten, wie der Tate Modern in London und dem New Yorker MOMA, gleich. Kunst in Berlin heißt: Kunst für alle. Festivals wie ‘48 Stunden Neukölln’ ernennen jeden zum Künstler. Etablierte treffen hier auf Laien und stellen jeden Juni auf etwa 300 Ausstellungsflächen Ihre Talente zur Schau – von Schauspiel über Fotografie bis hin zu Bildhauerei. Das Ergebnis? Kunst von Menschen für Menschen – unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft oder sozialem Status.

Street Art in Berlin-Treptow

Bunte Wände

Bei einer Stadt, die jahrelang durch eine Mauer getrennt war, ist es kaum verwunderlich, dass deren Wände ausgiebig bemalt und besprüht wurden. Obwohl die Ursprünge von Graffiti und Street Art länger zurückliegen, ist die Geburt der modernen Street Art in Berlin untrennbar mit der Mauer verbunden. Im Westen verewigten die Berliner hier ihre Gedanken und Gefühle. Nach ihrem Fall wurden Künstler aus aller Welt eingeladen, um sich auf der leeren Ostseite der Mauer zu verwirklichen und die Wiedervereinigung von Land und Stadt zu feiern. Obwohl der größte Teil der Mauer in den Tagen und Wochen nach der überraschenden Wende abgerissen wurde, wurde ein mit über hundert Wandmalereien bedeckter Teil davon zur East Side Gallery – einer der größten Open-Air-Galerien der Welt.

Nature Morte von ROA, Foto von Rae Allen, CC BY

Um 2000 erlebte Street Art dann einen weltweiten Aufschwung. Was einst zur Underground-Bewegung zählte, kam nun in allgemeine Mode. Dies führte dazu, dass Street-Art-Künstler offiziell beauftragt wurden, ihre Arbeiten an Berliner Häuser- und Mauerwände zu bringen. So entstanden einige der berühmtesten Werke wie der Kosmonaut von Victor Ash, ROAs Nature Morte oder Blu & JRs “east side/west side”, die heute sogar T-Shirts, Rucksäcke und Postkarten schmücken. Daraus ergab sich 2014 ein unschöner Nebeneffekt: Aus Protest gegen die Gentrifizierung der Stadt übermalte Blu seine Kreuzberger Wandmalereien und entzog sich so der einsetzenden Kommerzialisierung.

Die East Side Gallery in Friedrichshain

Von der Straße in die Galerien

Das MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART der URBAN NATION versuchen die Street Art im Galeriekontext neu zu interpretieren und ihre Entwicklung voranzutreiben. Seit 2013 verwandelt URBAN NATION die Fassaden Berlins in eine riesige Outdoor-Galerie und stärkt die Beziehung von Mensch und Stadt durch Kunst und integrative Nachbarschaftsprojekte. Street Art kann mehr als nur schön aussehen. Sie kann uns dazu bringen, unsere Beziehung zu einer Stadt neu zu bewerten.

Entdecken Sie Berlins wohl schönste Seite selbst

Berlins Kunstwelt ist das Ergebnis einer turbulenten Geschichte, günstiger Rahmenbedingungen und eines begeisterungsfähigen Publikums. Lassen Sie sich treiben, flanieren Sie durch die Straßen und entdecken Sie das bunte Potpourri aus Street Art, Museen und Galerien, die Berlin seine ganz besondere Note verleihen.

Übersetzung: Ina Schulze

Verfasst von:

Alex McKerrell

Der in London geborene Alex ist seit mittlerweile über einem Jahrzehnt Wahlberliner. Ob Sie sich für das beste indische Restaurant (Bahadur in Wilmersdorf, ohne Frage) oder die Geschichte des Nikolaiviertels interessieren: Alex können Sie immer fragen.

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